Moulis (Weinbaugebiet)

Das Weinbaugebiet Moulis hat seinen Namen von Moulis-en-Médoc, Moulis-Weine zählen somit zu Medoc-Wein. Moulis in der Gemeinde Moulis-en-Médoc ist zudem nach Rebfläche die kleinste der sechs kommunalen Appellationen des Médoc. Der Name kommt von Moulis oder Moulin, dem Wort "Mühle". In der Tat sind drei markante Mühlen auch heute sichtbar in Moulis.

Im Jahr 2002 wurden auf den über 600 Hektar Anbaufläche in Moulis, einem zwölf Kilometer langen und bis zu zwei Kilometer breiten, von Südwesten nach Nordosten verlaufenden Streifen Rebland, 27.133 Hektoliter Rotwein erzeugt. Der Rotwein von Moulis wird stets im klassischen Bordeaux-Stil bereitet und gehört zu den besten Rotweinen in Frankreich in der Region Gironde. Die Namen der Wein-Chateaus in Moulis lesen sich denn auch fast wie das Who-is-Who des Weins. Bekannte Weinführer zählen Moulis-Weine zu den Spitzengewächsen der gesamten Region. Die hohe Qualität der Moulis-Rotweine wurde 2003 in der neuen Klassifikation der Crus Bourgeois des Médoc honoriert, in der Weine aus Moulis mit zwei der insgesamt neun „Crus Bourgeois Exceptionnels“ aufgeführt ist.

Boden und Klima im Weinbaugebiet Moulis

Im Anbaugebiet von Moulis-Wein, einem zwölf Kilometer langen und bis zu zwei Kilometer breiten, von Südwesten nach Nordosten verlaufenden Land-Streifen, finden sich unterschiedliche geologische Formationen des Tertiär und Quartär. Drei Gruppen von Lagen charakterisieren das Anbaugebiet von Moulis: Die Rebstöcke auf den Kiessandkuppen von Maucaillou, Grand-Poujeaux und Brillette-Guitignan im Nordosten des Gebietes wurzeln auf Kieseln, die die Garonne in der Günz-Eiszeit herangetragen hat. Die Lagen dieser Moulis-Bereiche bilden aufgrund ihrer schnellen Erwärmung und des hervorragenden Wasserabzugs die besten Terroirs für Cabernet-Sauvignon-Reben.

Im Zentrum des Weinbaugebietes Moulis bilden lehmig-kalkige Sandböden die südliche Fortsetzung der Ebene von Peyrelebade im sich nördlich anschließenden Anbaugebiet von Listrac. Hier reifen vorwiegend Merlot-Reben. Weiter südwestlich bauen die Winzer von Moulis liegen auf einem teilweise zutage tretenden Kalkriff mit geologisch älteren Kuppen von Bouqueyran und Mauvesin, die im Pliozän aus Pyrenäen-Gestein entstanden sind, Cabernet-Reben an.
Das Klima im Weinbaugebiet Moulis ist, wie im gesamten Médoc, ozeanischen Einflüssen unterworfen. Wegen der größeren Entfernung zur Gironde besteht eine erhebliche Gefahr von Spätfrösten in Moulis, da die temperierende Wirkung des Flusses deutlich geringer ist als in der benachbarten Appellation Margaux.

Weine und Châteaux im Weinbaugebiet Moulis AOC

Moulis erzeugt einen samtigen Rotwein mit weniger Tannin als Weine aus dem benachbarten Listrac. Weine und Châteaux im Weinbaugebiet Moulis AOC können stark abweichen, da sich der Rebsatz nach den Lagen, über die das Château verfügt, richtet. Der Anteil des Cabernet-Sauvignon in einzelnen Châteaux im Weinbaugebiet Moulis AOC variiert zwischen 45 und 70 %, der Rebstock-Anteil für Merlot zwischen 25 und 55 %. Der sonst eher selten kultivierte Petit Verdot besitzt bei mehreren Châteaus im Weinbaugebiet Moulis AOC einen Reben-Anteil zwischen 5 und 10 Prozent. Daneben finden sich Rebsorten wie Cabernet Franc und noch weniger der Malbec.

Rotwein von Moulis (Vins rouge de Moulis)

Der Rotwein von Moulis wird in allen Winzerbetrieben des Weinbau-Gebietes im klassischen Bordeaux-Stil mit langer Maischegärung und Holzfassausbau bereitet. Typisch für die Moulis-Gewächse sind dabei Anteile von rund einem Drittel neuer Barriquefässer. Moulis-Rotwein ist elegant und fein, bietet dem Gaumen jedoch einen vollen Körper. Die von den Kiessandkuppen stammenden roten Moulis-Weine weisen dabei Parallelen zu Margaux-Wein und Saint-Julien Rotwein auf. Der Wein aus den Moulis-Lagen ist allgemein weniger tanninhaltig als der des benachbarten Weinbaugebiet Listrac. Moulis entwickelt sich schneller in der Flasche als Listrac-Wein, wo er je nach Jahrgang zwischen 5 und 15 Jahre lang ausbaut und sich entwickelt. Die Abgrenzung zwischen Moulis und Listrac ist allerdings nicht immer eindeutig, denn manche Châteaux besitzen Reben auch in der jeweiligen Nachbarappellation. Die Tendenz zur separaten Vinifizierung und Vermarktung auf Seiten der Moulis-Winzer ist unverkennbar.

Spitzenlagen und Spitzenweine in Moulis

Die Mehrzahl der Weine von Moulis zählt zur Klasse der Crus Bourgeois. Dass sich unter den Châteaux von Moulis kein Grand Cru Classé befindet, liegt daran, dass die Gemeinde in der Klassifikation von 1855 nicht berücksichtigt wurde. Die Weine der führenden Güter sind heute jedoch klassifizierten Gewächsen ebenbürtig. Insgesamt besitzt Moulis 14 Crus Bourgeois, davon zwei als „Exceptionnel“ und sieben als „Supérieur“ eingestufte Güter:
Crus Bourgeois Exceptionnels im Weinbaugebiet Moulis AOC sind die Lagen Château Chasse-Spleen und Château Poujeaux. Zu den Crus Bourgeois Supérieurs zählen Moulis-Weine wie Château Anthonic, Château Biston-Brillette, Château Brillette, Château Dutruch Grand-Poujeaux, Château Gressier Grand-Poujeaux, Château Maucaillou und Château Moulin à Vent. Crus Bourgeois-Weine aus Moulis sind Château Bel-Air-Lagrave, Château Duplessis, Château Duplessis Fabre, Château Granins Grand Poujeaux und Château La Mouline.
Eine Winzergenossenschaft in Moulis existiert nicht, von 50 Weinbaubetrieben in Moulis gehören etwa zehn Winzer der Cave Coopérative der Nachbargemeinde Listrac an, wo auch auch mehrere Cuvées der AOC Moulis erzeugt werden.

Geschichte des Weinbaus in Moulis

In Moulis wurde Historikern zufolge schon in der römischen Zeit Wein angepflanzt, gekeltert und gehandelt. Der Name „Moulis“ ist abgeleitet von Moulin für Mühle und geht auf die zahlreichen Wind- und Wassermühlen in der Weinbau-Region Moulis zurück, die einst dort die grossen Getreidemengen verarbeiteten. Von Bordeaux entwickelte sich der Weinbau im Médoc ab dem 17. Jahrhundert zu einem Wirtschaftszweig in der Gironde und so wuchs seine Bedeutung auch in Moulis stetig an und profitierte im Weinhandel durch den Bau einer Eisenbahnlinie durch das Médoc. Wo einst im Jahr 1892 nicht weniger als 1500 der gut 2000 Hektar Gemeindefläche von Moulis bestockt waren, sind heute etwa 600 Hektar Weinlagen übrig. Weinlagen, auf denen in der Tat aussergewöhnliche Rotweine reifen, die sowohl Moulis-Weine, Medoc-Weine oder sogar Bordeaux-Weine heissen.